Servus,

ich hab mich letzte Woche dabei erwischt, wie ich einen ganzen Vormittag lang ein neues KI-Tool "getestet" habe.

Prompt rein, Output raus, "nice", nächster Prompt.

Und am Abend? Habe ich keinen meiner Kunden besser bedient und keine Tätigkeit gemacht die mir Umsatz gebracht hat.

Genau da liegt der Hund begraben. Zwei Fragen, die ich mir seitdem stelle und die ich heute an dich weitergeb:

Arbeitest du wegen KI weniger?
Hast du wegen KI mehr Umsatz?

Wenn du bei beidem zögerst, dann sind wir vielleicht das, was ich einen "Möchtegern-AI-Nutzer" nenne: Leute, die es geil finden, mit den Tools zu spielen aber hinten nichts rausschaut. Dabei zu sein ist schön. Aber "dabei sein" zahlt dir deine Rechnungen nicht.

Ich seh bei den Kreativschaffenden, mit denen ich arbeite, fast immer dasselbe Muster:

Was mehr wird: mehr im Kopf, mehr To-dos, mehr Tools, mehr "ich sollte mal".

Was nicht mehr wird: die Stunden, die frei werden. Der Umsatz. Die Ruhe die uns seit Monaten versprochen wird.

Wir leisten mehr und merken nicht, dass wir uns nur schneller im Kreis drehen.

Bevor ich dir die Systeme geb, ein Prinzip, an dem bei mir alles hängt: Problem-Solution-First. Übersetzt: Ich verlieb mich nicht zuerst ins Tool, sondern zuerst ins Problem. Erst das Problem, dann der ideale Zustand, dann - und wirklich erst dann - die Lösung. Und manchmal heißt die Lösung eben nicht "KI", sondern ein echter Mensch, ein sauberer Prozess, eine Software oder ein externer Dienstleister.

Der zweite Anker, unbequem, aber wahr: KI lebt von Daten. Kein sauberes Datenfundament → keine brauchbare KI. Du kannst dir den schönsten Agenten bauen, wenn er seine Infos nirgends herholt, bleibt er ein teures Spielzeug.

Und da kommt das Bild, das mir am meisten geholfen hat: Behandle KI wie einen neuen Mitarbeiter.

Ein Praktikant kommt am ersten Tag nicht rein und macht alles richtig. Du schulst ihn ein. Du gibst Feedback. Du zeigst ihm, wo die Unterlagen liegen. Du führst ihn.

Genau das braucht KI ab einer gewissen Ebene auch: Führungsarbeit. Ein Agent will angewiesen, korrigiert und mit Infrastruktur ausgestattet werden.

Die ehrliche Frage vorweg ist also nicht "Welches Tool?", sondern: Bist du bereit, diese Führungsarbeit zu leisten. Selbst, per eigenem Agenten oder über jemanden im Team? Wenn nein, ist das auch okay. Dann verzichtest du bewusst. Auch das ist eine Entscheidung.

Genug philosophiert. Zurück zum Konkreten. Hier sind die fünf Systeme, die sich - Datenfundament vorausgesetzt - relativ schnell integrieren lassen. Ich nenn sie deinen Produktiv-Stack:

1. Das Gedächtnis-System (gegen Informationsverlust)

Das Tür-und-Angel-Gespräch, der Call, das Telefonat und drei Tage später ist die Info weg.

Lösung: Meeting transkribieren → KI fasst das Wichtigste plus Action Points zusammen → automatisch an alle Teilnehmer.

Alle Infos an einem Ort, statt in verlorenen Notiz-Schnipseln.

2. Die Content-Multiplication (gegen den Plattform-Wahnsinn)

LinkedIn, Reels, Shorts, Carousels, Newsletter, Threads - Omnipräsenz frisst dich auf.

Aber Achtung: Ich bin kein Fan von "KI, schreib mir was über Thema X". Keiner hat Lust generische KI LInkedIn Texte zu lesen.

Mein Weg: Du schreibst ein starkes Stück selbst (z. B. einen Newsletter oder sprichst eine lange Sprachnachricht zu einem Thema ein) → die KI zerlegt es in drei, vier inhaltlich sinnvolle Bausteine → daraus wird LinkedIn- oder Carousel-Content.

Mit einem Feedback-Loop, der mit der Zeit lernt, wie du wirklich klingst.

3. Der Brand-Wächter

Ich tu mir mit Konsistenz schwer: In der Früh schreib ich anders als am Abend, komplett anderer Content.

Mein Fix: eine KI, die nichts anderes tut, als zu prüfen: Klingt dieser Text so, wie die Brand kommunizieren soll?

4. Die Curator-AI

Ich komm bei all den Dingen die mich interessieren nicht hinterher: KI, Social Media Trends, Cyber-Security, Triathlon…

Statt jeden Tag reinzuschauen: Definier deine Vorbilder: YouTuber, Blogger, Influencer in deinem Feld.

Eine KI liest deren Content → filtert die Doubletten raus → liefert dir montags die zwei, drei Dinge, die wirklich relevant sind. Aufbereitet, wie du sie brauchst.

5. Die "Daily-Shit"-AI

Emails, WhatsApp, Buchhaltung… für mich das Grausligste.

Aber: Eine Buchhaltungs-KI bringt nichts, wenn die Infrastruktur nicht passt. Sie muss deine Belege ja irgendwo finden.

Also zuerst: ein Ordner, wo alles reinwandert → einmal die Woche räumt die KI auf und bereitet auf.

Nicht sexy. Aber es gibt dir den Kopf frei für das, wofür du eigentlich brennst.

Wie das in echt ausschaut: Ein Kunde von mir - nennen wir ihn M., kleine Kreativagentur - hat mit System 2 angefangen. Nicht mit allen fünf. Mit einem.

Schritt 1: Wir haben einen bestehenden Kunden-Newsletter genommen, den er ohnehin schon schreibt.

Schritt 2: Die KI zerlegt ihn in vier Bausteine.

Schritt 3: Jeder Baustein wird ein LinkedIn-Post-Entwurf in seinem Ton, nicht in KI-Deutsch.

Schritt 4: Er redigiert, statt bei null zu starten. Die Änderungen fließen zurück in die KI.

Schritt 5: Nach ein paar Wochen trifft der Entwurf seinen Ton so gut, dass aus einem Vormittag Content für vier Wochen wird.

Und weil ich es im Video versprochen hab: Ja, ein Samstagvormittag reicht aber nicht, um alle fünf laufen zu haben. Er reicht, um mit einem anzufangen. Der Rest ist Führungsarbeit über Wochen. Ich weiß, du hast auf den einen Knopf gehofft. Den gibt es aber selten.

Bevor du also irgendein Tool aufmachst, beantworte dir das hier ehrlich:

Dein Problem: Welche Kleinigkeit zipft dich in der Arbeit, in der Kundenkommunikation oder im Sales am meisten an?

Dein Datenfundament: Liegen die Infos, die eine KI bräuchte, überhaupt schon irgendwo sauber?

Deine Führungsbereitschaft: Bist du bereit, dieses "Teammitglied" einzuschulen oder ist bewusster Verzicht gerade der ehrlichere Weg?

Wenn du magst: Antworte einfach auf diese Mail und schreib mir, welches der fünf Systeme du zuerst angehen würdest. Ich les jede Antwort.

Damit entlasse ich dich aus dem heutigen Chapter.

- Lukas

Wenn dir das was gebracht hat, leite es an die eine Person weiter, die gerade mehr Tools als Ergebnisse sammelt.

P.S. Zwei Dinge, wenn du tiefer willst:

📩 Frühere Ausgaben zum Nachlesen: leanchapters.at

🎥 Das Video zu dieser Ausgabe: https://www.youtube.com/watch?v=blokSZKStUU

P.P.S. Ich verkauf dir hier nichts. Kein "Blueprint", kein "Geheimnis", kein Countdown. Wenn du irgendwann sagst, du willst dir diese Systeme sauber aufsetzen lassen, weißt du, wo du mich findest. Bis dahin: bau dir eins selbst. Das ist mir tausendmal lieber als ein Funnel.

Bis nächste Woche.