Servus,
kleines Geständnis zum Einstieg: In meinem Redaktionsplan liegen gerade über hundert Ideen. Ausformuliert, durchdacht, eigentlich fertig.
Und wie viele davon haben es letzte Woche tatsächlich rausgeschafft? Keine.
Das Problem ist nicht die Idee. Das Problem ist die Umsetzung: das Reel schneiden, die Caption schreiben, das Karussell designen usw.
Und ich glaub, dir geht's ähnlich. Du bist Dienstleister, im Tagesgeschäft gefangen. Du sollst neue Kunden reinholen, Marketing machen, dein Unternehmen weiterbringen und dann auch noch "konsequent Content" raushauen. Na no na net ist das zu viel. Niemand hat da acht bis zehn Stunden in der Woche einfach so übrig.
Es gibt einen Namen für diese Lücke zwischen "Ich hab die Idee" und "Es ist draußen": Intention-Behavior Gap. Die Absicht ist da, das Verhalten folgt nicht. Und genau da greifen die meisten zum falschen Werkzeug.
Der Reflex: Chatfenster auf.
Du machst das Chatfenster auf: "Hey, schreib mir einen Beitrag über das und das." Vielleicht hast du sogar einen guten Prompt.
Und am Ende klingt es trotzdem nach KI. Du überarbeitest. Du kopierst von da nach da, von da nach da und von da nach da.
Bist du produktiver geworden? Nein. Hast du mehr Umsatz gemacht? Nein. Hat es dir Zeit gespart? Auch nicht. Das Einzige, was du ausgelagert hast, ist das Denken.
Dann gibt es da auch noch die andere Fraktion: unsere geliebten Automatisierungs-Gurus –, die sagen: "Du brauchst deinen Jarvis. Dein vollkommen autarkes digitales Büroteam."
Stimmt zum Teil. Für manche Setups ist das Goldwert. Ich persönlich wär damit maximal überfordert, und ehrlich: Mein Unternehmen ist dafür anders aufgestellt. Ich arbeite daher lieber nach dem Problem-Solution-First-Prinzip: ein konkretes Problem, brauch eine konkrete Lösung und eventuell ein passendes Tool. KI verwenden wir hier also als Werkzeug, nicht als Religion.
Daraus ist mein halbautomatisierter Content-Flow entstanden. Drei bis vier Stunden pro Woche und der Content klingt nach mir, nicht nach KI-Slop.
Das Ganze hängt an genau drei Bausteinen.
1. Rohdaten: 100% KI-frei.
Das ist das Kernstück von allem. Der Fehler fast aller KI-Flows: Sie starten mit einer leeren KI. Meiner startet mit Wissen über mich.
Einmal pro Woche formuliere ich einen Gedanken aus → das eine Thema, über das ich diese Woche was zu sagen hab. Und dann rede ich. Bei mir ist ein YouTube Video. Es kann genausogut aber auch eine Sprachnotiz sein.
Das Entscheidende: Diese Rohdaten sind echt. Deine Zahlen, deine Fehler und deine Meinung. Nichts davon kommt aus der KI. Wer lieber redet: ab in die Sprachnotiz. Wer lieber schreibt: direkt ins Dokument.
2. Der Leitfaden: die Einschulung.
Jetzt kommt der Teil, den die meisten überspringen. Die KI darf nicht einfach loslegen – sie muss wissen, wie du klingst.
Stell dir die KI wie einen neuen Mitarbeiter vor. Du würdest auch keinem neuen Mitarbeiter sagen "mach mal Content" und ihn dann allein lassen. Du gibst ihm eine Einschulung. Genau das ist der Leitfaden:
Die Formate, die in deiner Nische funktionieren.
Deinen Stil: ausformulierte Blöcke oder knackige Stichworte?
Deinen Voice Guide: welche Wörter du verwendest und welche nie. (Bei mir sagt die KI auf "schreib österreichisch" sofort "urgeil". Ich hab "ur" in meinem Leben noch nie gesagt. Also: Don't.)
Dein CI-Manual: Schriften, Farben, Logo.
Der Schreiber greift dann auf zwei Dinge zu: auf den Leitfaden (wie du kommunizierst), auf die Rohdaten (was du zu sagen hast) und dazwischen entsteht Content, der nach dir klingt.
3. Das Design: der Teil, gegen den ich mich am längsten gewehrt hab.
Reiner Text funktioniert auf LinkedInm den Output von meinem Schreiber verwende ich dort tatsächlich 1:1. Aber auf Instagram oder TikTok brauchst du Visuals.
Seit drei Wochen lass ich mir meine Karussells von Claude designen. Früher bin ich eineinhalb Stunden an einem Karussell gesessen. Jetzt: zehn bis fünfzehn Minuten.
Schreiber und Designer spielen beide in den Redaktionsplan. Montag gehst du rein, schaust, was heute online geht, und postest. Das mache ich aktuell noch selbst.
Jetzt der Teil, den du nicht hören willst.
KI funktioniert nicht auf Anhieb.
Die ersten vier bis sechs Durchläufe wird der Output nicht so sein, wie du's gern hättest. Das ist normal. Die Arbeit eines neuen Mitarbeiters sitzt in Woche eins auch nicht perfekt.
Der Trick ist der Loop: Du schaust dir an, was die KI schreibt. Die Dinge, die du anders machen würdest, schreibst du auf → und baust sie zurück in den Leitfaden. Beim nächsten Mal macht sie es besser. Dieses Spiel spielst du die ersten vier bis sechs Wochen intensiv, danach immer weniger.
Kein Quick-Win. Eher ein Samstagvormittag Setup und ein paar Wochen Geduld.
Damit entlasse ich dich aus dem heutigen Chapter.
Lukas
Wenn dir grad wer eingefallen ist, der seine Ideen auch nie rausbringt: leite ihm diese Mail weiter.
P.S. Das komplette Notion-Setup zum Nachbauen → https://stan.store/bylukasmats
Das Video, in dem ich den ganzen Flow aufzeichne → https://youtu.be/wJflyEAgMM8
P.P.S. Nein, ich verkauf dir hier kein "KI macht deinen Content in 5 Minuten"-Geheimnis. Es gibt keinen Blueprint, der dich zurücklehnen lässt. Es bleibt Arbeit. Nur halt drei Stunden statt dreißig. Wenn dir das zu ehrlich ist, bist du bei den anderen Newslettern besser aufgehoben.

