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Ich melde mich heute mit einem Thema bei dir, das mich an mir selbst gerade massiv stört…
Ich nehme mir Dinge vor und setze sie dann nicht um.
Es gibt Bereiche in meinem Leben, in denen ich in letzter Zeit vermeintlich „eiserne Disziplin“ habe:
Sport – Die letzten 6 Monate (sofern ich gesund war) habe ich kein einziges Training wegen mangelnder Motivation oder zu wenig Zeit ausfallen lassen.
Zeit mit der Family – Dates mit meiner Freundin, ein Essen mit meinen Eltern oder der Kaffee bei den Großeltern: Das läuft gerade richtig gut.
Auszeiten nehmen (klingt komisch, ist aber für den ein oder anderen – inklusive meinem alten Ich – nicht so einfach, „einfach mal abzuschalten“).
Und dann gibt es ein paar Bereiche, in denen ich weiß, dass ich sie tun sollte, es aber nicht regelmäßig mache:
Ernährung: Ich weiß ganz genau, was ich tun müsste. Immerhin habe ich schon mal von 110kg auf 80kg abgenommen. Trotzdem hänge ich seit Jänner bei ~ 100kg.
Akquise: Ich habe ein System, das mit 30 min Aufwand pro Tag regelmäßig neue Leads in mein CRM spült. Trotzdem mache ich es meistens nicht.
Mobility: Ich wüsste ganz genau, dass 10 min Yoga in der Früh gut für mich wären. 3x darfst du raten, wie oft ich es letzte Woche gemacht habe: genau.. gar nicht.
Für dieses Verhalten gibt es sogar zwei Fachbegriffe:
Akrasia: das Phänomen, gegen das eigene, wohlüberlegte Urteil zu handeln (fühl ich sehr 😂)
Intention-Behavior Gap: die Lücke zwischen Absicht und Verhalten
Ich glaube, wir alle denken uns jetzt: „Ja, bei mir gibt es da auch das ein oder andere Thema, wo ich mich so fühle…“
Daran ist auch nichts Verwerfliches. Wir sind Menschen und keine Maschinen – genau das macht uns ja auch aus. Bei dem ein oder anderen Bereich nervt es uns aber, dass wir es nicht hinbekommen. Und das ist das Problem.
Genau deswegen schreibe ich dieses Chapter heute. Und wenn ich ehrlich bin, brauche ich das vermutlich selbst mehr als jeder andere hier.
Damit wir eine Lösung finden können, müssen wir zuerst verstehen, welche Ebenen es gibt. Jede Ebene braucht nämlich auch gänzlich andere Lösungsansätze:
Die taktische Ebene
Die Identitäts- und Ressourcen-Ebene
Die Alignment-Ebene
Das Problem der Akrasia ist eine Mischung aus allen drei, wobei meist eine intensiver ausgeprägt ist als die anderen.
Die taktische Ebene:
Alles, was irgendwie als Maßnahme gewertet werden kann – vor allem das, was schnell umsetzbar ist und sich dadurch gut verkaufen lässt:
Timeboxing & Kalender-Blocker
KI Produktivitätstools
Environment Design
oder die gängigsten Produktivitätshacks
Also die typischen Strategien von unseren geliebten Produktivitäsgurus oder den bekanntesten Büchern (Atomic Habbits, Get things done etc.).
All diese Sachen sind enorm wichtig und bringen uns definitiv weiter. Aber: Das ist halt nicht das Ende der Fahnenstange. Wenn du dich aktuell ausschließlich auf deine Willenskraft und Motivation verlässt, wären solche Systeme und Strategien the way to go.
Spoiler: Meistens findest du den Lösungsansatz aber nicht auf einer rein taktischen Ebene, sondern musst zumindest eine Ebene tiefer gehen.
Die Identitäts- und Ressourcen-Ebene
Hier geht’s um dich und dein Energiemanagement. Wenn du chronisch mental überlastet bist, hilft dir ein einfacher Produktivitätshack nicht weiter. Das Gleiche gilt, wenn du in einem Konflikt mit deinem Selbstbild bist.
Schauen wir uns mal das Beispiel Verkauf an. Es gibt hier grob gesagt zwei Gruppen von Personen:
Der Verkäufer, der den ganzen Tag nichts anderes macht. Er identifiziert sich über seine Abschlussquote und die Verkaufstätigkeit.
Der Kreative, der Verkauf als notwendiges Übel sieht, um in seinem Business weiter zu kommen.
Zweimal darfst du raten, wem die „Verkaufstätigkeit“ leichter fällt…
Eigentlich wüsstest du genau, was du im Verkauf tun müsstest – scheiterst aber dann in der täglichen Umsetzung, trotz der Strategien die du bereits aus der taktischen Ebene kennst.
Meistens liegt der Hund auf dieser Ebene begraben. Wie wir das lösen, schauen wir uns gleich an. Vorher aber noch zur dritten Ebene:
Die Alignment-Ebene
Das ist mit Abstand die schmerzhafteste Ebene. Wenn du nämlich realisierst, dass
deine Weltanschauungen falsch sind,
deine Werte dich nicht weiter bringen und
dein Ziel, dem du die letzten Jahre hinterhergerennt bist, nicht mehr zu deiner Vision passt,
ist das verdammt schmerzhaft.
Egal, was du dann auch in Bewegung setzt und in den anderen beiden Bereichen machst: Es wird sich nie wirklich richtig anfühlen…
Lass mich dir ein Beispiel aus meinem eigenen Leben geben:
Bis Ende 2025 hatte ich eine Videoproduktion und Werbeagentur. Die ist auch recht solide gelaufen. Systeme, Strukturen und Tools waren on Point und prinzipiell habe ich Dinge getan, die mir Spaß machen: kreative Projekte mit coolen Menschen umsetzen. Dennoch habe ich das große Ganze regelmäßig hinterfragt.
Ich habe Shootings kurzfristig verschoben, weil ich leicht angeschlagen war. Wenn ich ehrlich bin, wäre es aber easy gegangen.
Auf Shootings habe ich mir mehrmals die Frage gestellt: „Wie lange muss ich den sche*ß noch machen?“
Egal welche Strategie ich ausprobiert habe (und ich habe wirklich viel ausprobiert): Die Deadlines der Postproduction habe ich in 90% der Fälle um ein paar Tage verfehlt.
Anfänglich habe ich dann einfach die meisten Produktvitätshacks einmal durchprobiert:
3x3 System
Pomodoro-Technik
2-Minuten Regel
Eisenhower-Matrix usw.
Relativ schnell habe ich gesehen, dass das aber genau gar nix bringt. Als nächstes bin ich dann eine Ebene tiefer gegangen. Auch hier habe ich keine sonderlich gute Erfolgsbilanz vorzuweisen gehabt.
Erst als ich begonnen habe, mich zu fragen, ob das Fundament (eine Videoproduktion aufzubauen) überhaupt das richtige ist, wurde mir klar, woran es gelegen ist:
Die Alignment-Ebene war nicht erfüllt. Und damit hat alles andere, was ich ausprobiert habe, nicht funktioniert.
Deswegen mache ich das seit Ende 2025 auch nicht mehr. Aktuell noch ein paar ausgewählte Projekte, die mir richtig Spaß machen dafür fokussiere ich mich auf andere Bereiche: ich konzipiere Cyber Security Strategien für Unternehmen und priorisiere den Aufbau von meinem Produktivitätsystem (Lean Production Flow) für Kreativschaffende und Kreativagenturen.
Siehe da: Vieles funktioniert auf einmal wieder von alleine. Aber noch nicht alles.
Unter die Alignment-Ebene können wir jetzt mal ein Hackerl setzen.
Nachdem ich den Weg schon einmal gegangen bin und ich wusste das, Produktivitätshacks nicht der richtige Weg sein wird, gehe ich grad Ebene 2 an. Und diese Erkenntnisse sind vermutlich für alle Selbständigen interessant:
Die meisten laufen prinzipiell in die richtige Richtung, schleppen aber die Drehbücher von Mentoren, Influencern oder vergangenen Erfahrungen mit sich herum.
Was meine ich damit?
Du hast doch sicher ein gewisses Bild von „was typischer Verkauf” ist, oder? Lass mich raten: Der letzte Akquiseanruf à la Wolf of Wall Street klingt noch nach?
Irgendwas in der Vergangenheit (ein Video, ein Post) oder eine Person, zu der du aufschaust oder die du bewunderst, taucht immer wieder auf, wenn es um gewisse Themen geht: „Das gehört halt so gemacht“ oder „Das ist halt das Opfer für…“. Ich denk da jetzt grad z.B. an die Videos von den Bauligs. Entweder gefeiert oder gefürchtet. Dazwischen gibt’s da wenig.
Oder es ist die Abwertung der eigenen Arbeit: Die typischen Glaubenssätze der Hustle-Culture („Erfolgreich wird man nur dann, wenn man über Leichen geht“, „Nur harte Arbeit bringt dich ans Ziel“ usw.). Das brauchen wir jetzt aber, denke ich, nicht weiter durchkauen.
Ich glaube, du verstehst, was ich damit meine, oder?
Wie lösen wir das jetzt?
Indem wir mal alle Glaubenssätze kicken und unseren Alltag so bauen, wie das für uns richtig ist. Ich verstehe schon: Das ist einfacher gesagt als getan. Aber vermutlich ist das der einzige Weg, wie wir das Problem der Identitäts- & Resourcenkrise lösen.
Da es mir leichter fällt, wenn ich für solche Dinge einen Namen habe, habe ich eine 3 Säulen Modell erarbeitet:
Ich nenne es den Anti-Akrasia-Code
Wichtig: Der funktioniert aber nur, wenn du dir sicher bist, dass es nicht an den anderen beiden Ebenen liegt.
Zuerst brauchen wir die
Verhaltens-Übersetzung (Behavioral Translation)
Reibung entsteht immer dann, wenn eine zwingend notwendige Tätigkeit nicht deinem Selbstbild entspricht. Wir glauben oft, wir müssten uns durch pure Disziplin in eine Rolle zwingen, die uns eigentlich widerstrebt, weil „man das in der Branche halt so macht“.
Zwei Beispiele dafür:
Der introvertierte Designer: Er muss Sichtbarkeit aufbauen. Anstatt jede Woche auf Netzwerk Events zu gehen, übersetzt er „Sichtbarkeit“ in „Wissensteilung“. Er startet einen Newsletter über seine Arbeit & Erkenntnisse mit Kunden, den er über Social Media bewirbt.
Der Solo-Kreative: Wenn sein Ziel nicht die nächste große Agentur ist, wird er sich mit harter Kaltakquise nie identifizieren können. Die Akquise funktioniert für ihn nur, wenn sie einen kreativen Part beinhaltet (z. B. über das Herzensprojekt).
Es geht also nicht darum, den Verkauf komplett zu streichen – ich glaube, uns allen ist klar, dass eine gewisse Bottomline an Verkaufstätigkeiten immer notwendig ist. Damit das aber reibungslos(er) funktioniert, muss nicht die eigene Persönlichkeit verbogen werden (das funktioniert immer nur kurzfristig), sondern das Format und das Medium der Tätigkeit so lange geändert werden, bis es zur eigenen Identität passt.
Und ja, in unserer modernen Welt gibt es erstmalig die Möglichkeit nach solch einer Lösung für sich selbst zu suchen. Ich garantiere dir, es wird sie geben. Spätestens nach einem Gespräch mit mir, wird die Welt was das angeht ein bisschen klarer sein.
Die zweite Säule ist die Entkopplung von Emotion und Handlung
Der größte Ressourcenfresser ist oft das Warten auf den "richtigen Zustand oder Zeitpunkt". Wir denken oft, dass Motivation, Inspiration oder ein klarer Kopf die Grundvoraussetzungen für unser handeln ist. Die Frage "Fühle ich mich bereit?" verneint dies logischerweise fast immer und hindert uns daran in die Umsetzung.
Wir verschieben den mühsamen Akquise-Block, die Postproduction oder den Start des Ernährungsplans auf "morgen", in der Illusion, dass wir uns dann magischerweise motivierter, wacher und inspirierter fühlen werden.
Die radikale Akzeptanz, dass Motivation oft eine nachlaufende Komponente ist. Sie entsteht erst durch die Belohnung, wenn wir bereits in Bewegung sind (=Momentum). Deswegen sind die ersten 90 Tage auch oft die schwierigsten.
Die dritte Säule ist der unbewusste Ego-Schutz (Das Prinzip des sekundären Gewinns)
Der ultimative Denkfehler ist die Annahme, dass mangelnde Umsetzung ein "Fehler" im System oder bloße Faulheit ist. In Wahrheit ist Prokrastination ein extrem effizientes Schutzprogramm unseres evolutionär getriebenen Gehirns. Solange du etwas nicht tust, bleibt deine Identität unangreifbar ("Wenn ich die Strategie erst einmal umsetze, wird es genial"). Sobald du aber in die Umsetzung gehst, triffst du auf die Realität und riskierst dadurch Ablehnung. Um das Ego vor dieser schmerzhaften Prüfung zu bewahren, zieht das Unterbewusstsein die Reisleine.
Wir feilen ewig an einer Webseite, dem perfekten Flyer oder der Social Media Strategie herum, anstatt damit einfach online zu gehen. Ein unfertiges Projekt kann nämlich nicht von Kunden oder Followern abgelehnt werden:
Man darf den Widerstand nicht länger verurteilen und bekämpfen, sondern muss ihn als Bodyguard betrachten. Die entscheidende Frage lautet daher nicht "Wie zwinge ich mich jetzt dazu?", sondern "Vor welchem Schmerz (z. B. der Angst vor Ablehnung) versucht mich diese Blockade gerade zu beschützen?" Erst wenn dieser verdeckte emotionale Gewinn entlarvt wird, gibt das Unterbewusstsein die blockierten Ressourcen wieder frei.
Ich weiß, dass klingt alles ein bisschen exotisch. Wenn du bis hierher gelesen hast, bin ich überzeugt, dass du mit dem geschriebenen relaten kannst.
Vielleicht ist es an der Zeit, das Thema Produktivität auf eine andere Ebene als einfache Produktivitätshacks, zu heben?
In dem Sinne, wünsche ich dir eine ruhige und erfolgreiche restliche Woche
Lukas
Kennst du jemanden, der genau das hören sollte? Dann leite das Kapitel gern weiter!
P.S. Wenn du bereit bist, den nächsten Schritt Richtung Lean Production zu gehen, findest du hier alle Infos:
P.P.S.
Ich hasse die Sales-Calls der Business-Coach-Bubble. Die besten Kurse und Programme habe ich gekauft, weil ich mich ohne Druck dafür entschieden habe. Genau das möchte ich auch dir ermöglichen.
Darum: Ein Erstgespräch, Kennenlerngespräch oder die Clarity Session sind kein Sales-Calls.
Ich bin kreativer Mentor & System Integrator, kein Business Coach.
Wir gehen gemeinsam deine Fragen durch, schauen uns deine aktuelle Situation an und entscheiden dann, was der nächste sinnvolle Schritt für dich ist. Und das kann auch bedeuten, dass wir feststellen, dass eine Zusammenarbeit aktuell keinen Sinn ergibt.
