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ich habe in den letzten Monaten ziemlich viel Zeit mit KI verbracht. Die wichtigste Entscheidung dabei war aber nicht, welches Tool ich nehme, sondern wo ich KI bewusst nicht verwende.
Heute zeig ich dir meinen KI-Fahrplan für die nächsten Monate. Was ganz wichtig dabei ist: Ich bin kein KI-Guru, sondern jemand, der ein schlankes Unternehmen baut und dabei nicht dümmer werden will.
Bevor wir einsteigen, drei Dinge, von denen ich überzeugt bin und meiner Meinung nach wichtig sind, damit du einordnen kannst wie ich denke:
Die meisten KI-Tools, die gerade gebaut werden, wird es in dieser Form nicht mehr lange geben. Ein Startup macht eine Idee groß, ein halbes Jahr später ist genau diese Idee ein Button bei Claude, ChatGPT oder Gemini. Das war bisher fast immer so (siehe OpenClaw & Claude Cowork)
Was übrig bleibt, wenn der Hype irgendwann zur Normalität wird, sind drei Dinge: kreatives Denken, kritisches Denken und Geschmack.
Und: Ich bin Laie. Das ist mein Gefühl, kein Gesetz und kann sein, dass ich mich damit komplett irre.
Bevor wir auf meine Strategien eingehen, schauen wir uns zuerst mal
drei Denkweisen an, die dich dabei ausbremsen können
1. „Ich muss KI erst richtig beherrschen."
Das ist die eleganteste Ausrede, die es gibt, weil es produktiv ausschaut. Das gilt generell bei den meisten Themen und nicht nur bei KI.
→ Du sammelst Tools, schaust Videos, probierst das nächste Agenten-Framework und löst dabei kein einziges echtes Problem in deinem Unternehmen.
→ Ich habe letztens einen Podcast mit Alex Hormozi gehört, wo er das Thema eingebracht hat, wann macht ein KI-Agent tatsächlich mehr Umsatz? Seine Beobachtung war dabei: Sehr viele Unternehmen geben sehr viel Geld für Agenten und KI aus, nur um am Ende draufzukommen, dass unterm Strich nicht mehr rauskommt.
→ Und wenn die großen Anbieter das Thema sowieso sukzessive integrieren, dann baust du monatelang etwas, das später ein Häkchen in den Einstellungen ist.
2. „KI ist ein Tool, das ich bediene."
So habe ich es bis vor kurzem gehandhabt. Ich hatte ein Programm (bzw. eigentlich 3 Programme), ich bin in das Eingabefeld gegangen und dann habe ich ein Ergebnis bekommen.
→ Du wirfst eine Aufgabe rein, das Ergebnis ist manchmal gut und manchmal mittelmäßig.
→ Bei einem echten Mitarbeiter würdest du das nie erwarten. Da wäre für dich völlig klar, dass die ersten Wochen anstrengend sind.
→ Der Mindset-Switch der in den letzten Wochen passiert ist: KI ist kein Werkzeug, dass im Werkzeugkoffer ist und wartet bis du es herausholst. Sondern kann wie ein ein Teammitglied proaktiv und zutun arbeiten. Ich weiß, das klingt crazy, aber meine Agenten haben Namen und ich spreche sie so an.
3. „Ich lagere das Denken aus, dann gehts schneller."
Das ist die Ebene, die mir tatsächlich ein bisschen Sorgen macht.
→ Du hast eine Idee und schmeißt sie sofort in den Chat, ohne selbst einmal darüber nachgedacht zu haben: Gib mir Infos zu XY, formulier mir das aus, mach das, mach X, mach Y. Ich kenne das Gefühl danach ganz genau: Ich beginne mich langsam dumm zu fühlen.
→ Kreativität heißt für mich: Mit meinem Wissen, meiner Weltanschauung und meinen Erfahrungen etwas zu produzieren, das es so noch nicht gibt. Genau deswegen liest sich dieses Chapter anders als das einer Kreativagentur oder eines KI-Gurus. Nicht besser, sondern anders.
→ Und dann ist da noch die Sache mit dem Wissen selbst: Wenn dein gesamtes Wissen über dich, deine Arbeit, deine Sichtweise in den Projekten und im Gedächtnis eines Chats liegt, gehört es nicht mehr dir. Wechselst du irgendwann das Modell, bleibt es drinnen.
Ich glaube tatsächlich, dass in ein paar Jahren die relevante Frage sein wird, wer es schafft noch ohne KI zu denken… Und das macht mir ehrlicherweise ein bisschen Angst.
Wie ich es stattdessen angehe
Wie so oft, muss zuerst die Perspektive stehen bevor wir uns um die die Taktik kümmern können. Wo willst du in den nächsten 10 bis 15 Jahren hin? Wenn du dir nicht sicher bist, ob das, was du gerade tust, überhaupt das Richtige ist, dann ist ein KI-Agent das Letzte, was du jetzt brauchst. Ein perspektivisches Problem lässt sich nicht auf taktischer Ebene lösen.
Dein Wissen liegt bei dir, nicht im Modell. Bei mir liegt es in einer Datenbank, aktuell in Notion. Man kann jetzt streiten, ob ich damit wirklich die Kontrolle habe, aber Notion ist im Kern eine Datenbank und da bekomme ich meine Daten deutlich leichter raus als aus einem KI-Chat. Langfristig will ich auf eine Open-Source- bzw. europäische Lösung wechseln. Den Komplexitätssprung auf die eigene Datenbank spare ich mir aber noch, weil er mir gerade einfach zu viel arbeit ist.
KI wird integriert wie ein Teammitglied. Ich habe seit letzter Woche zwei Agenten in Betrieb: Viktor schreibt aus meinen Newslettern LinkedIn- und Karussell-Beiträge. Silas gibt ihm Feedback. Die zwei schicken sich den Text so lange hin und her, bis die Qualität passt. Aktuell sitze ich noch als Bindeglied dazwischen und sage: „Schau her, ich würde das so schreiben." Silas schreibt dieses Muster in eine Tabelle, auf die Viktor beim nächsten Durchlauf zugreift.
Und ja: Ich weiß, dass mir diese zwei die nächsten 8 bis 12 Wochen keine Zeit ersparen sondern eher das Gegenteil. Ich lerne sie an, genau wie ich einen echten Menschen auch anlerne würde.
Drei Schritte, wenn du diese Woche starten willst
Schritt 1: Definier deine Daseinsberechtigung.
Was kannst du besser als andere? Was willst du in Zukunft machen? Bei mir ist es das: Ich gebe Gedanken und Ideen mit. Ob in der Zusammenarbeit mit Kunden oder für meinen Content: Die Idee ist das Produkt. Und daraus folgt automatisch der wichtigere Teil der Übung: Schreib auf, wo du bewusst keine KI verwenden willst…
weil du gut darin bist uns,
weil es dir Spaß macht und/oder
weil es dein Asset ist.
Schritt 2: Mach eine Woche das 5-Minuten-Tagebuch.
Den Ansatz habe ich, glaube ich, das erste Mal bei Alex Hormozi gehört. Eine Woche lang notierst du im 5-Minuten-Takt, was du gerade tust. Am Abend bewertest du jede Tätigkeit auf zwei Skalen von 1 bis 10:
→ Wie viel Spaß hat es gemacht?
→ Wie weit hat es dein Unternehmen gebracht?
E-Mails checken: bei mir Spaß 1, Unternehmen 2. Ein Kundenprojekt, das semi war: 6 und 4. Der Spaziergang, auf dem ich über die Perspektive meines Unternehmens nachdenke: 10 und 10 (sofern die Sonne scheint…). Nach einer Woche hast du eine Liste auf die du drauf schauen kannst und nahezu alle Emotionen draußen sind. Das brauchst du, weil wir bei den Dingen, die wir seit Jahren gleich machen, betriebsblind sind. Meistens happert es genau an dieser Stelle.
Schritt 3: Nimm 2 bis 3 Punkte und skizzier den Prozess. Mit Stift und Papier.
Nicht mit einem Tool. Nicht mit einem Agenten. Die Frage lautet: Wie würde ich das einem Menschen erklären, den ich morgen anstelle? Erst wenn diese Skizze steht, kommt die Tool-Frage. Und die hat vier Antworten, nicht eine:
→ Es gibt schon ein fertiges Tool dafür.
→ Ich baue es selbst.
→ Ich stelle jemanden dafür ein. Ganz crazy, ich weiß: Man kann auch noch Leute anstellen.
→ Oder ich mache es weiterhin händisch, weil mir alles andere zu teuer oder zu zeitaufwendig ist.
Beispiel aus meinem Alltag: Untertitel für Social-Media-Videos. Ich hasse das unfassbar. Es gibt mittlerweile Tools, die das für 15 Euro im Monat erledigen. Jetzt muss ich mir nur mehr die Frage stellen: Ist es mir das Wert?
Und falls du dir jetzt irgendwo ein Video von einem vollautonomen KI-Agenten anschaust und dich schlecht fühlst: Die Person, die das gebaut hat, macht den ganzen Tag nichts anderes. Glaub nicht, dass du mit einer halben Stunde pro Woche dasselbe Ergebnis hast. Musst du aber meiner Meinung nach auch nicht.
Ich kenne mich technisch übrigens ganz gut aus, ich habe eigene Server und ein eigenes NAS. Trotzdem nutze ich einfach die Agenten in Notion. Weil sie genau die Probleme lösen, die ich gerade gelöst haben will.
Das war mein KI-Fahrplan 2026.
Wenn du mir schreibst, in welchem Bereich du KI bewusst nicht einsetzen willst, antworte einfach auf diese E-Mail. Ich bin da wirklich neugierig, weil ich glaube, dass diese Antwort mehr über ein Unternehmen aussagt als jeder Tool-Stack.
Und wenn dich interessiert, wie ich Viktor und Silas im Detail baue antworte auf diese E-Mail: Dazu kommen in den nächsten Wochen eigene Kapitel.
Aja: ich habe meine Content und Newsletter Strategie verändert. Meine Newsletter sind nicht mehr KI frei. Mein Fokus geht gerade in einen anderen Bereich. Darüber werde ich in den nächsten Tagen auf Instagram berichten.
Viel Erfolg für die restliche Woche
Lukas
Kennst du jemanden, der genau das hören sollte? Dann leite das Kapitel gern weiter!
P.S.
